Alptraum Bacalar und das Green Monkey Hostel

Nach Bacalar kommt man, weil man weiterreist. Entweder nach Belize (der Grenzübergang ist nur wenige Kilometer entfernt) oder nach Mahahual, wo angeblich die schönsten Strände Mexikos zu finden sind. Ich war wegen Mahahual hier. Entsprechend ist die Auswahl der Hostels in dieser Stadt sehr begrenzt. Leider.

Bacalar selbst ist ein kleines, nicht besonders ansehnliches Städtchen. Es ist nichts los, gibt keine großartigen Sehenswürdigkeiten. Es gibt eine Cenote, zu der ich es aber nicht geschafft habe. Ansonsten ist der einzige Pluspunkt, den ich für diese Stadt anführen kann, die Lagune der 7 Farben. An genau dieser Lagune liegt eines der Hostels: Das Green Monkey.

 

Das Green Monkey schafft es gerade mal zu einer 7.0 Bewertung auf hostelworld. Wer mit hostelworld nicht sehr bekannt ist: Ich meide in der Regel Hostels, deren Bewertung unter 8.0 rutscht und selbst 8.0 ist schon nicht wirklich gut. Warum dann das Green Monkey? Weil, wie gesagt, die Auswahl klein ist. Also quasi nicht existent. Aber ich dachte mir, egal. Eine Nacht bringe ich da zu und dann reisen wir weiter nach Mahahual.

 

Unser Bus von Mérida kam mit einer 2,5-stündigen Verspätung in Bacalar an. Dann dauerte es auch noch eine Weile ein Taxi zum Hotel zu finden, weil der erste Taxifahrer, der anhielt, uns abzocken wollte und der nächste felsenfest behauptete, ein Hostel namens Green Monkey gäbe es hier nicht. Der Mann wollte uns stattdessen ein Hotel andrehen; vermutlich bekommt er Kommission für jeden vermittelten Gast.

Um 8 min vor Check-In-Schluss (sie schließen die Rezeption um 22 Uhr) schafften wir es dann endlich ins Green Monkey. Und alsbald fing auch der Kampf an. Ich hatte für mich ein 4er Schlafsaal gebucht; meine Mitreisende sollte in dem 7er Schlafsaal übernachten. Bei der Reservierung waren nämlich keine 2 Betten mehr im gleichen Schlafsaal verfügbar. Wir haben trotzdem mal gefragt, ob nicht vielleicht irgendwo noch 2 Betten im gleichen Schlafsaal frei sind. Nur im Schulbus, sagte der Typ. Der Schulbus ist genau das – ein gelber, amerikanischer Schulbus, der zu einem 8er Schlafsaal umfunktioniert wurde. Wir guckten zum Schulbus rüber und sagten deutlich NEIN dazu. Keine Ventilation, keine Steckdosen, beengt, und das bei dieser Hitze und dieser Luftfeuchtigkeit? Nein, danke. Dann doch lieber die getrennten Schlafsäle.

Wir haben also brav nacheinander für unsere jeweiligen Betten bezahlt und dann ging die Verwirrung los. Aber so vollkommen. Zuerst hatte der Mensch meine Begleitung untergebracht – im 4er Schlafsaal! Dann kam er zurück und deutete auf den gelben Schulbus; dort sei mein Schlafsaal. Ich gucke ihn dumm an. Wie bitte?!?!?! Habe ich nicht gerade erst vor 5 Minuten sehr laut und deutlich NEIN zum Schulbus gesagt? Ich habe doch eben für den 4er Schlafsaal bezahlt Nun war er an der Reihe dumm zu gucken. Er hat uns verwechselt. Jetzt hat er meine Freundin schon dort untergebracht. Sie weigerte sich auch, das Zimmer wieder zu verlassen. Sein Vorschlag: wir könnten ja zu zweit in einem Bett im 4er schlafen. Ich dachte, der hat sie nicht mehr. Das hab ich ihm auch gesagt. Ich bin normalerweise nicht so unfreundlich, aber nach über 7 Stunden Fahrt in einem Bus ohne Klimaanlage und angesichts soviel Planlosigkeit war ich etwas ungehalten.

Wo ist denn der 7er Schlafsaal, den eigentlich meine Freundin nehmen sollte, wollte ich von ihm wissen. Ich gucke mir den mal an, vielleicht kann ich ja dort übernachten. Oh, der 7er Schlafsaal ist ausgebucht, war die Antwort. Ab diesem Moment war ich vollkommen von der Inkompetenz dieses Mitarbeiters überzeugt. Er hatte doch gerade erst vor wenigen Minuten von meiner Freundin Geld für den 7er Schlafsaal kassiert? An dieser Stelle mischte sich eine weitere Mitarbeiterin des Hostels ein und versuchte, die Sache zu regeln. Der Typ hat nicht verstanden, warum ich so einen Aufstand mache und mir fehlten die Worte, ihm seine – mit Verlaub – Dummheit adäquat zu erklären. Schlussendlich schlug die Frau vor, ich könnte zum gleichen Preis, den ich bezahlt habe, in einem 6er Schlafsaal übernachten. Der würde in der Regel mehr kosten, weil er klimatisiert ist, aber weil das Hostel es verbockt hat, kann ich da ohne Aufpreis schlafen. Endlich!

Ich habe geduscht und bin ins Bett und dann die Überraschung: es waren noch 2 Betten in diesem Schlafsaal frei. Ich erinnere mich, wie wir den äußerst inkompetenten Menschen fragten, ob sie noch irgendwo im gleichen Schlafsaal zwei Betten frei hätten, was er verneint hatte. Oh Mann. Totalversagen seinerseits.

 

Am nächsten Morgen dann eine weiter böse Überraschung: es gibt kein WLAN. Ein Sturm vor 2 Tagen hätte irgendeine Leitung beschädigt; es gäbe kein Internet. Meine Reisebegleitung und ich machten uns also auf die Suche nach einem Café mit kostenlosem WiFi. Das war auch Gott sei Dank schnell gefunden. Ich habe mir dort ein Frühstück bestellt, weil das Frühstück im Green Monkey unter aller Sau war.

Einen Vormittag lang arbeiteten wir also an unseren Dingen wie Emails schreiben, Blog updaten, Bilder hochladen, Flüge, Busse und Hostels recherchieren und buchen. Das übliche eben. Der Plan war, am nächsten Tag nach Mahahual zu fahren. Das würde bedeuten, wir müssten eine weitere Nacht im Green Monkey verbringen. Ungern, aber was soll man tun, wenn die Busse nur 2 Mal am Tag (morgens) fahren. Wir haben uns dann ein schönes Restaurant gesucht, haben gut gegessen und einen netten Spaziergang durch die Stadt gemacht. Mit „nett“ meine ich, wir haben beide Jahre unseres Lebens verloren, als ein großer Hund bedrohlich knurrend aus dem Gebüsch auf uns zugerast kam. Bacalar hat gefühlt mehr Hunde als Einwohner. Straßenhunde sind überall.

Als Abkühlung nach soviel Adrenalin haben wir uns dann ein Eis gegönnt. Das war ein Fehler, in einer langen Liste von Fehlern beginnend damit, überhaupt nach Bacalar zu kommen. Ich hatte den halben Eisbecher vertilgt bevor ich es im Magen spürte. Oh-oh. Den Rest des Bechers hab ich stehen lassen.

Zurück im Hostel wurde der Magen immer schlimmer und es kam auch noch Übelkeit hinzu. Iberogast half nicht. Ich hatte noch die vage Hoffnung, dass eine ruhige Nacht Linderung bringt. Leider nein. Eine ruhige Nacht war es auch nicht, da ich sie überwiegend im Badezimmer verbracht habe. Am Morgen dann war ich so geschwächt, ich konnte mich kaum aufrecht halten. Die Kotzeritis war noch lange nicht vorbei. Die Durchfalltabletten halfen auch nur bedingt. Unmöglich, dass ich in diesem Zustand in einen Bus steigen könnte. Ich würde es ja nicht einmal zum Bus schaffen. Ach, was rede ich da, ich hätte nicht einmal meinen Rucksack tragen können. Und um einen bereits unschönen Zustand noch schlimmer zu machen: Das bedeutete für mich, ich müsste noch länger im Green Monkey bleiben. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich echt nicht, was schlimmer war – mein verdorbener Magen bzw. die Lebensmittelvergiftung oder das Gebundensein an eines der schlimmsten Hostel, in denen ich je war.

Die Green Monkey Hostel Mitarbeiter haben sich aber gegenseitig überboten: im Nichtstun. Einziges Zugeständnis, das der Hostelleiter machte, war, mir anzubieten einen Arzt anzurufen. Davon mal abgesehen, dass er mir nicht hätte helfen können – ich wusste ja, es war eine Lebensmittelvergiftung; da muss man durch – hatte ich sämtliche Infos zu meiner Auslandskrankenversicherung online gespeichert und ratet mal? Ja, das WiFi war immer noch kaputt. Der Mitarbeiter hätte ja mal seinen Computer dafür anbieten können (die hatten Internet auf dem PC!) oder sein Festnetz-Telefon, damit ich die Krankenversicherung hätte anrufen können. Nein, keine Spur. Nicht einmal gefragt, ob sie mir irgendwie helfen können oder was tun können.

Die anderen Hostelgäste waren aber umso freundlicher. Ein Pärchen aus Australien hat mir Elektrolyte-Tabletten gegeben; ein Amerikaner hat was vom Supermarkt für mich besorgt; von einem Deutschen bekam ich Kohle-Tabletten; und ein halbes Dutzend anderer Leute haben mich gefragt, ob sie was tun können. Nur eben nicht die Mitarbeiter.

Achso, ja, ich saß den ganzen Tag am Tisch in der Rezeptionshalle, die gleichzeitig die Küche und der Gemeinschaftsraum ist, genau gegenüber dem Rezeptionstisch. Die haben mich also den ganzen Tag angeguckt, ohne einmal zu helfen. Warum ich dort saß? Weil das der einzige Platz im ganzen Hostel mit einem Ventilator war.  Jetzt werden die Aufmerksamen unter euch fragen: Aber du hattest doch ein Zimmer mit Klimaanlage. Ja, das schon. Aber die Klimaanlage wird nur abends zum Schlafen angemacht. Tagsüber wird sie ausgeschaltet per Hauptschalter, zu dem die Gäste keinen Zugang haben.

Übrigens: Die einzige Sache, um die ich die Rezeption gebeten habe (und ein anderer Mensch für mich auch gefragt hat) war, ob sie nicht bitte die Klimaanlage ausnahmsweise tagsüber einschalten könnten, damit ich mich ins Bett legen könnte. Die Antwort? Nein! Und das finde ich echt die Höhe. Dass du keine Hilfe von dir aus anbietest, das ist schon übel, aber dass du, wenn du direkt darum gebeten wirst, nein sagst? Das ist echt ein Leven an Unmenschlichkeit, das man erstmal überbieten muss.

Wie das Hostel sonst so war? Ekelhaft. Ich habe mich noch nie so sehr vor den Badezimmern und Duschen geekelt wie hier. Alles ist schmutzig, versifft, klebrig. Die Mülleimer (in Mexiko darf das Toilettenpapier nicht in die Toilette) quellen permanent über, was für einen netten Geruch in den Toiletten sorgt, wie man sich vorstellen kann. Die Duschen sind so verkalkt, dass Wasser nur tröpfchenweise rauskommt; wer Haare waschen will, tut das am besten unter dem Wasserhahn. Das Toilettenpapier ist ständig alle, weil keiner kontrolliert. Die Mitarbeiter sitzen den ganzen Tag nur auf ihrem Hintern und tun nichts (außer Geld kassieren und versprechen, dass das WiFi morgen wieder funktionieren wird).

Ich war insgesamt 4 Nächte an dieses scheußliche Hostel gefesselt und 4 Tage lang hieß es, dass ab morgen das Internet wieder funktionieren würde.

Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie glücklich ich war, dort weg zu kommen. Ich hatte mir in der Zwischenzeit (dank einem weiteren Trip zu einem Internet-Café, in meinem geschwächten Zustand) einen Flug nach Mexico City gebucht, nachdem ich beschlossen habe, meine weiteren Stationen im Osten, die ich noch abklappern wollte, für einen anderen Mexiko-Besuch aufzuheben. Mein Flug ging zwar erst um 15 Uhr, aber ich war schon um 11 Uhr am Flughafen, weil ich keine Minute länger als nötig in dem Hostel bleiben wollte.

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