Costa Rica: Ein Fazit

Costa Rica ist zwar ein kleines, aber dafür extrem vielfältiges Land. Es hat knapp 5 Mio. Einwohner, ist eines der reichsten Länder, was Artenvielfalt angeht, hat zahlreiche Vulkane, darunter auch einige aktive, sowie unzählige Nationalparks und Wasserfälle. Knapp ein Drittel des Landes steht unter Naturschutz.
llanos-de-cortes-24Im Süden hat man die Pazifikküste, im Norden die Karibik. Es ist eines der reichsten Länder in Zentral- und Südamerika, hat aber keinerlei natürliche Ressourcen wie Erdöl oder -gas. Vielleicht kann es sich deshalb leisten, politisch neutral zu sein. Es bezeichnet sich stolz als die „Schweiz Zentralamerikas“.

Das Busnetz ist gut ausgebaut und deckt nahezu alle Landesteile, bis in die kleinsten Dörfer, ab. Busfahren ist billig, Hostels kosten in der Regel 10-15 EUR pro Nacht.
Einkaufen ist teuer; das gilt auch für Nahrungsmittel. Einzige Ausnahme beim Essen ist das Mittimg_20160915_114459agsmenü, welches fast jedes Restaurant anbietet. Es heißt Casado (was so viel heißt wie Hochzeit) und ist ein Teller mit Reis, Bohnen, Fleisch oder Fisch, kleine Portion Salat und ein paar frittierte Bananen. Oftmals gibt es noch ein Getränk dazu. Das Ganze kostet dann 2800-3500 Colones (umgerechnet 4,50-5,60 EUR; Stand September 2016).

Andere Dinge des täglichen Bedarfs, z.B. Shampoo kosten ein Vielfaches dessen, was man in Deutschland dafür bezahlt. Das günstigste No-Name-Produkt, was ich finden konnte, lag bei über 4 EUR für eine Flasche.

Achja: Es gibt keine Armee. Stattdessen gibt es einen sehr hohen Bildungsstandard, den die Regierung mit zahlreichen (kostenlosen) Universitäten und verschiedenen Förderungsprogrammen für Wohnraum, Transport, Nahrungsmittel unterstützt. Als Postkarten verschickender Tourist hat man es schwer: es gibt nämlich keine Briefkästen auf den Straßen, denn die Costa Ricaner verschicken so gut wie keine Post (Pakete ausgenommen, aber die wirft man ja nicht in Briefkästen). Das ganze Land agiert nahezu papierlos, alles wird online oder durch persönliches Erscheinen erledigt. Costa Rica ist nämlich sehr groß im Klimaschutz: überall wird Ökotourismus praktiziert, fast der komplette Energiebedarf des Landes (mehr als 90%) ist durch regenerative Quellen abgedeckt.

rio-celeste-64Und die Costa Ricaner lieben ihre Heimat: 98% der Bevölkerung leben im eigenen Land.

Trotz all dieser positiven Tatsachen bin ich mit dem Land nicht wirklich warm gworden. Das liegt nicht am Land oder den Menschen – ganz im Gegenteil. Die Costa Ricaner sind unfassbar nett und herzlich. Ihre Hilfsbereitschaft ist so groß, dass es fast schon unangenehm werden kann, welche Mühen sie auf sich nehmen, um dir weiter zu helfen.

Ich hatte einen blöden Start, weil ich
a) aus Key West kam, was für mich der liebste Ort auf diesem Planeten ist und den zu verlassen mir immer schwer fällt,
b) das Land unangemessen teuer ist (für mein Budget)
c) ich die Sprache nicht spreche.

Nichts davon, besonders nicht Punkt c, ist Costa Ricas Schuld. Alles ist auf meinen Mist allein gewachsen. Ich habe einfach sehr genau abwägen müssen, welche der vielen Sehenswürdigkeiten
ich besichtigen möchte, damit meine Ausgaben in einem überschaubaren Rahmen bleiben.
Ich speichere Costa Rica im Gedächtnis als nett ab, habe aber keine Verbindung oder einen Zugang dazu gefunden. Es ist einfach manchmal so – Mal kommt man einen Ort und fühlt sich direkt heimisch dort und manchmal eben nicht; dann bleibt es lediglich ein Urlaubsziel und nicht mehr. Das ist okay. Man muss nicht über jedes Land in wilde Begeisterungsstürme ausbrechen.

Wer hier jetzt mehr Negatives raus liest als ich beabsichtige zum Ausdruck zu bringen, liegt falsch. Ich finde Costa Rica wirklich ein nettes Reiseziel. Ich bin froh, hier gewesen zu sein. Besonders an San José habe ich tolle Erinnerungen.san-jose-14

Auch wenn man überall liest, San José lohne sich nur für 1-2 Tage; ich war fast 1 Woche dort und es gab jeden Tag bezaubernde neue Ecken, Straßen, Cafés und Restaurants zu entdecken. Ein weiteres Plus (besonders für Menschen, die mit der Hitze nicht so klarkommen): San José ist gute 5-8°C kühler als der Rest des Landes und bei weitem nicht so schwül.san-jose-34

An dem Tag, da ich ankam, hat ein Vulkan in etwa 50 km Entfernung ordentlich Asche gespuckt; der Flughafen war für 2 Tage stillgelegt worden (ich kam mit dem Bus an). Das sorgte für jede Menge Asche in der Luft. Im Hostel wurde stündlich gewischt (Boden und Oberflächen) und dennoch lag auf allem, was man anfasste, eine feine Ascheschicht. Asthmatiker hätten keinen Spaß gehabt, aber als Erfahrung war das wirklich interessant. Um so dankbarer war man für jeden Tropfen Regen, der die Asche aus der Luft gewaschen hat.

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