Malaysia – Liebe auf den zweiten Blick

 

Malaysia war die bisher größte Überraschung auf meinen Reisen. Ich hatte von Chiang Mai aus einen Hin- und Rückflug nach Kuala Lumpur gebucht und wollte 1 Woche lang in Malaysia sein – ein paar Tage KL, dann Penang und zurück nach KL und damit nach Chiang Mai. Ich blieb 5 Wochen.

 

Es war nicht Liebe auf den ersten Blick. Als ich in Kuala Lumpur ankam, war ich gerade in einem Reise-Tief. Mein Enthusiasmus, irgendetwas zu unternehmen war bei Null. Das passiert, hab ich gelesen, allen Langzeit-Reisenden früher oder später. Ich musste mich regelrecht zwingen, in KL das Hostel zu verlassen und selbst dann konnte ich mich gerade mal dazu aufraffen, 2 Türen weiter in den McDonald’s zu gehen. Dort hat es dann weitere zwei Stunden hin und her Debattierens gebraucht, bis ich über die Straße und zur Monorail-Haltestelle laufen wollte.

Ich habe dann die Batu Caves am Stadtrand besucht und anschließend die Petronas Twin Towers. Damit war der erste Tag auch zu Ende und meine Energiereserven erschöpft. Zugegebenermaßen hat KL nicht wirklich viel Interessantes zu bieten. Hat man die Twin Towers gesehen und die Batu Caves besichtigt, bleibt vielleicht noch die Jamek-Moschee und der ein oder andere Markt & evtl. China Town, wenn man davon noch nicht die Nase voll hat… Aber das war’s dann auch schon. Für eine so große Stadt, bietet sie überraschend wenig für Touristen. Achja, shoppen kann man hier. Bis zum Umfallen!

Ich war entsprechend nicht sehr angetan von meinem ersten Eindruck von Malaysia. Nicht nur, dass KL nicht gerade ein absolutes Reise-Muss ist und ich zudem tief in meinem Reiseloch steckte, ich hatte so etwas wie eine milde Form eines Kulturschocks als ich in Kuala Lumpur ankam. Ich versuche mal, das zu erklären:

 

Ich kam aus Thailand, aus dem Norden um genau zu sein. Das wird derjenige, der schon mal längere Zeit in Chiang Mai verbracht hat, besser verstehen. Ich hatte dort eine sehr entspannte Zeit. Thais, besonders die im Norden des Landes, sind sehr entspannte, ruhige, freundliche Menschen, die Touristen gewohnt sind, immer lächeln. Als Reisender sticht man vielleicht optisch hervor, aber man hat seine Ruhe. Auf der Straße wird man nicht von Händlern überrannt, keiner versucht, dir was zu verkaufen; Thais sind nicht aufdringlich.

Selbst Chaos scheint in Thailand organisiert zu sein. Nimm den Verkehr zum Beispiel – als Beobachter hat man das Gefühl, jeder fährt, wie er gerade will. Und das stimmt weitgehend, aber es löst sich immer irgendwie auf; jeder findet seinen Weg und ich habe zumindest hier im Norden Thais als vorausschauende und rücksichtsvolle Fahrer kennengelernt, die auch mal anhalten, um Fußgänger passieren zu lassen, zumindest aber immer ausweichen werden.

Kontrastprogramm Kuala Lumpur: Im Zentrum (Haltestelle KL Sentral) angekommen, brummte mir der Schädel. Alles schrie, war laut, schnell, hektisch. Jeder buhlt um deine Aufmerksamkeit – Massage? Restaurant? Selfiestick? Jeder Händler/Promoter schreit, pfeift, macht sonstige laute Geräusche nur um deine Aufmerksamkeit zu erregen. Und du willst einfach nur schreien: „KÖNNT IHR ALLE EINFACH MAL STILL HALTEN?!?!?“ Du willst das Bild einfrieren. Nur für eine Minute. Und du wirst angeguckt. Du bist nicht mehr in einer Kultur, in der es unangebracht ist, andere offen anzustarren. Willkommen in Malaysia.

 

Ich bin entsprechend schnell diesem Wahnsinn entflohen. Aber nicht nach Penang, wie geplant, sondern nach Pangkor. Es lag auf dem Weg und ich dachte, warum nicht.

 

Pangkor ist eine winzige Insel, auf der es nichts zu tun gibt und deswegen fand ich sie so attraktiv. Da ich immer noch nicht in der Stimmung war, großartig was zu unternehmen und um der Hektik Kuala Lumpurs zu entfliehen, schien mir die Insel perfekt. Das war sie auch. Aber dazu in einem anderen Post mehr.

 

Nach einem weiteren Zwischenstopp in den Cameron Highlands kam ich endlich in Penang an. Das war von vornerein mein Ziel in Malaysia (ich hatte viel von der beeindruckenden Straßenkunst gehört und wollte sie nun persönlich sehen). Theoretisch hätte ich zu diesem Zeitpunkt immer noch meinen Rückflug nach Chiang Mai schaffen können. Aber spätestens am zweiten Tag in Penang war ich dieser Insel und damit auch Malaysia hoffnungslos verfallen. Ich blieb eine Woche auf Penang und wäre vermutlich noch unendlich viel länger geblieben, hätte ich nicht ein „Date“ in Langkawi gehabt.

 

Langkawi konnte mich nicht begeistern. Ich sehe einfach den Punkt dieser Insel nicht. Warum gibt es sie? Deren einziger Daseinszweck sind Touristen; viele davon aus Russland – nachhaltiger Tourismus? Was ist das? Die Strände sind nur auf den Bildern schön; das Wasser trüb, das Essen bestenfalls mittelmäßig; Hostels teuer und mit die schlechtesten, in denen ich jemals war; große Teile der Küste sind Fußgängern nicht zugänglich – alles tummelt sich auf 1-3 verfügbaren Stränden. Interessante Architektur? Fehlanzeige. Alles voller schnell hochgezogener Betonbauten, um der Touristennachfrage nachzukommen. Straßen sind gesäumt von Shops, die alle das gleiche verkaufen. Andererseits bin ich ziemlich dankbar, dass es diese Insel gibt. Solange sie so viele Touristen anlockt, bleibt diese selben Touristen hoffentlich weg aus Penang. Ich glaube, ich habe soeben den Sinn von Langkawi verstanden: Sie ist ein Bollwerk gegen den Massentourismus-Strom. Guter Job! Weiter so!!

 

Zum Schluss muss ich noch Melaka erwähnen. Dieses Städtchen im Süden von KL wird dich kulinarisch zwar nicht begeistern, aber der Riverwalk ist unglaublich schön. Bemalte Hauswände wohin das Auge blickt. Sehr hübsche und italienisch anmutende Brücken und viele schattige Plätzchen zum Ausruhen auf dem Weg. Allerdings braucht man hier nicht mehr als 1-2 Tage, um alles zu sehen, was die Stadt zu bieten hat.

 

Meine letzten Tage in Malaysia habe ich in Kuala Lumpur verbracht. Beim zweiten Mal war die Stadt mir wesentlich angenehmer als beim ersten Besuch. Das lag sicherlich auch am Essen. Das beste indische Restaurant (und das beste Naan, das ich je hatte) hab ich hier gefunden: Tg’s Nasi Kandar. Überhaupt ist Malaysia ein Muss für alle Foodies. Ich weiß nicht, wieviel ich zugenommen habe, während ich hier war, aber meine Kleidung hat mir nach 1 Monat deutlich signalisiert, dass es Zeit ist, weiterzuziehen.

PS. Mit dem deutschen Reisepass darf man 90 Tage visumsfrei im Land bleiben. Guten Appetit!

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