Nie wieder Viva Colombia

Ich habe schon bereut, einen bzw. sogar 2 Flüge über Viva Colombia gebucht zu haben, lange bevor ich zum Flughafen aufgebrochen bin. Der Grund war folgender: Viva Colombia ist eine Billig-Airline, ähnlich Ryanair in Europa. Das bedeutet, sämtliche Extras wie Gepäck, Check-in etc. kosten extra. Man muss online einchecken und seine Bordkarte selbst drucken. Kann man das nicht und kommt ohne Bordkarte zum Flughafen, kann man sich diese von Viva Colombia am Schalter drucken lassen – das kostet allerdings extra (25 oder 29$). Ich wusste das und habe mein Hostel gebeten, mir die Bordkarten für beide meine Flüge zu drucken, was sie auch gerne gemacht hätten. Es gab nur ein Problem: Für den ersten Flug (von Santa Marta nach Bogotá) konnte ich einchecken und eine Bordkarte drucken – kein Problem. Für den zweiten Flug (Bogotá nach Miami) ging das aber nicht. Ich bekam eine Fehlermeldung, die absolut keinen Sinn machte.

Also schrieb ich den Kundenservice von Viva Colombia an, schilderte mein Problem und schickte sogar einen Screenshot von der Fehlermeldung mit. Nach 36 Stunden immer noch keine Antwort von VC, obwohl ich inzwischen schon eine zweite Email geschickt hatte.

Ohne Antwort von VC und ohne Bordkarte für meinen zweiten Flug startete ich also zum Flughafen in Santa Marta. Sieht man von der 90-minütigen Verspätung ab (und keinerelei Infos, warum oder wann es los geht), ging der Flug halbwegs rund über die Bühne.

 

Der Spaß fing beim zweiten Flug an. Geplante Startzeit war 6:00 Uhr morgens. Um 7:05 ging ich dann an den Schalter von VC und fragte, ob es irgendwelche Infos gäbe, wann der Flug endlich starten würde und warum die Verspätung. Die Auskunft, die ich bekam, war: es liegt am Wetter. Der Nebel macht einen Start unmöglich, aber es sieht so aus, als ob es aufklart und in 20-30 Minuten könnten wir sicher starten. Ich muss dazu sagen – ja, es gab leichten Nebel, aber bei weitem nicht genug, um zum Beispiel die Berge im Hintergrund zu verdecken. Außerdem starteten während der ganzen Zeit regelmäßig Maschinen anderer Airlines. Auf diesen Einwand ging der VC-Angestellte nicht ein, bzw. winkte ab mit einem „die haben andere Flugzeuge“ ab. Was auch immer das bedeuten mag.

 

Keine 15 Minuten nachdem ich mit dem Angestellten gesprochen hatte, wurde der Flug gecancelt. Aber wer glaubt, es hätte eine Durchsage oder ähnliches gegeben, irrt. Die Info hat sich quasi durch Mundpropaganda unter den Passagieren rumgesprochen.

Und dann brach das Chaos aus.

Sowas habe ich bisher nur im Fernsehen gesehen. Aufgebrachte, temperamentvolle Kolumbianer, etwa 130 davon – schreien, drohen, treten gegen Absperrungen, etc. Ein Teil der Aufregung ist sicher dem kolumbianischen Temperament geschuldet, aber den Großteil der Schuld an diesem absoluten Durcheinander trägt VC.

Es gab keinerlei Informationen. Und das bisschen, was herausgegeben wurde, war in Spanisch. Ein internationaler Flughafen, ein internationaler Flug, in ein englischsprachiges Land (entsprechend mit zahlreichen Amerikanern an Bord) – und VC hält es nicht für nötig, jemanden zu finden, der übersetzen kann. Aber angesichts der Tatsache, dass sie wirklich kaum etwas herausgegeben haben, ist das auch nicht weiter überraschend. Es gab genau 2 Infos:

  1. Flug gecancelt wegen Wetter. Auf den Einwand, dass andere Airlines starten, sind sie nicht eingegangen.
  2. Die Optionen sind wie folgt:
    1. Flug auf den nächsten umbuchen, der geht aber erst 2 Tage später. Die Frage, ob sie für Hotel und Verpflegung aufkommen, wurde verneint, weil: „höhere Gewalt“.
    2. Es geht ein planmäßiger Flug nach Miami von Medellin aus. VC bot an, den Flug auf den von Medellin aus umzubuchen. Allerdings sollte man selbst für die Kosten für den Flug nach Medellin aufkommen. Die anderen Airlines sind ja nicht dumm. Die Preise für den Flug Bogota-Medellin gingen von 30$ hoch auf 160$.
    3. Flug stornieren. Allerdings hätte man in diesem Fall nur 50% des Flugpreises erstattet bekommen und 0% von dem Preis für eingechecktes Gepäck.

Alle Infos, die uns englischsprachige Touristen erreichten, war dank anderen Passagieren, die Übersetzer gespielt haben.

Um Stunden des Geschreis und der Proteste der erhitzten Gemüter abzukürzen (und es waren Stunden: die Info über den gecancelten Flug kam kurz vor 7:30 Uhr; ich bzw. meine Gruppe haben den Flughafen um 11:30 Uhr verlassen).

Zu diesem Zeitpunkt befanden sich ca. 25(!!!) Angestellte an Ort und Stelle, von denen KEINER auch nur einen Finger krumm machte. Ich sage das nicht nur, weil ich wütend bin, sondern weil das tatsächlich so war. Außer Angestellten von VC und etwa einem Dutzend Polizisten und anderen Sicherheitsangestellten, waren zudem Vertreter einer Verwaltungsstelle, die allen Airlines übergeordnet ist, als Schlichter vor Ort. Und ich schwöre bei allem, was mir heilig ist, sie standen nur rum. Sie beantworteten keine Fragen, kümmerten sich nicht um die Passagiere, boten keine Lösungen an – sie taten einfach nichts!

Auf das Drängen von 3 besonders lauten, besonders wütenden und einschüchternden Kolumbianern wurde schließlich mitgeteilt (nicht über Lautsprecher, sondern wieder nur über Mundpropaganda), dass 30 Plätze in einem Flieger nach Medellin frei sind. Weil es aber nur 30 Plätze sind, haben sie angefangen, die Passagiere rauszusuchen, die Anschlussflüge in Miami hatten. Aber auch nur die, die eine reale Chance hatten, den Anschlussflug noch zu bekommen. Da der Flug in Miami aber planmäßig erst nach 20 Uhr landen würde, hatte quasi kaum einer eine Chance. Zur Erinnerung: Unser Flug, der gecancelt wurde, sollte ursprünglich um 11 Uhr in Miami landen. Wer bucht denn Anschlussflüge, wo er/sie 10 Stunden Aufenthalt in Miami hat bevor man weiterfliegt? So kam es also, dass Leute, die Anschlussflüge hatten, aber diese offensichtlich verpassen würden, nicht mit nach Medellin durften.

vc-1Ich hatte keinen Anschlussflug. Aber 90% der Leute, die unter den 30 „Ausgewählten“ waren, hatten ebenso keinen bzw. hatten ihn bereits verpasst. Es hieß einfach nur: Lügen, was das Zeug hält, um mitgenommen zu werden.

Und es stellte sich raus: wir wurden schon wieder angelogen. Es war gar kein geplanter Flug, in dem noch 30 Plätze frei waren. VC hatte eine Charterfirma beauftragt und die Propellermaschine hat nun mal nur 30 Plätze. Begleitet von einer VC-Angestellten wurden wir durch Hintergänge des Flughafens geschleust, wo uns in einer verlassenen Halle die Stempel im Pass annulliert wurden, da wir das Land ja jetzt doch noch nicht verließen (Bogota-Medellin ist ein Inlandsflug). Dann ging es über noch mehr Geheimgänge in den Keller des Flughafens, eine weitere riesige und leere Halle, deren einzige Einrichtung unser aufgebahrtes Gepäck war. Jeder musste sich seinen Koffer schnappen, dann wurden wir in einen Bus verladen. Informationen waren rar und wir fingen an, zu spekulieren, warum der Bus uns statt zu einem Gate oder Flugzeug zu bringen, das Flughafen-Gelände verlässt. Aber es war ja nicht so, dass wir andere Optionen hatten. Also ließen wir uns überraschen, wo wir letztlich enden würden. Es stellte sich raus, wir waren zu einem benachbarten Flughafen eines Charterunternehmens gebracht worden. Wir wurden gewogen, dann das Gepäck, dann ging es nach ca. 1 Stunde Wartezeit und insgesamt fast 2 Stunden Irren durch die unterirdischen Gänge des Bogoa-Flughafens endlich los. Mein erster Flug mit einem Propellerflugzeug. Es war interessant, aber ich muss es nicht nochmal wiederholen. Ist doch arg holprig.

 

vc-2In Medellin angekommen, hieß es wieder warten bis uns eine Vertreterin von VC abgeholt hat. Es ging wieder durch irgendwelche Gänge direkt zum Check-In für den Flug nach Miami. Der dritte Check-In und der dritte Stempel im Pass in nur 12 Stunden.

Wir waren uns allerdings überhaupt nicht sicher, ob die Maschine nach Miami überhaupt starten würde. Es regnete in Strömen und hin und wieder konnte man Blitze sehen und Donner hören. Außerdem war es bereits 15 Minuten NACH dem geplanten Start und kein Flugzeug am Gate in Sicht. Galgenhumor ist die einzige Rettung in einer solchen Situation. Wir fingen an, Witze zu machen: dass wir hier nun feststecken, wie in dem Hotel California Song „you can check [in] anytime you like, but you can never leave“. Und Scherze darüber zu machen, was wohl jetzt noch sonst schief gehen könnte, was den Flug nach Miami verhindern könnte. Und selbst als wir mit über 1 Stunde Verspätung endlich boarden konnten, waren wir immer noch skeptisch, ob das Flugzeug abheben würde.

 

Ich war nie so glücklich, amerikanischen Boden zu betreten wie an diesem Tag. Auch wenn es da schon fast 22 Uhr war.

 

Es war nicht das erste Mal, dass einer meiner Flüge gecancelt wurde, aber sollte das wieder passieren, hoffe ich, dass ich nicht in einem Entwicklungsland feststecke. Oder zumindest in einem, wo „Kundenservice“ kein Fremdwort ist. Im Übrigen war der Flieger von Medellin nach Miami nicht voll. Sie hätten also mehr Leute mitnehmen können, hätten sie z.B. 2 oder 3 Maschinen gechartert. Und ich weiß bis heute nicht, wer für den Flug nach Medellin bezahlt. Es gab ja einige Passagiere, die hatten Flüge mit anderen Airlines gebucht, um nach Medellin zu kommen. Ich habe inzwischen eine Email mit einer Rechnung bekommen. Aber ich weiß nicht, ob das eine automatisierte Email war oder meine Kreditkarte tatsächlich belastet wird.

 

Das schlimmste an der ganzen Sache und das, was mich so wütend macht, ist, dass man so offensichtlich angelogen wird und man kann sich nicht dagegen wehren. Es fing mit der Lüge an, dass der Flug aufgrund von Nebel gecancelt war. Offensichtlich eine Lüge. Die Vermutung einiger Passagiere war, dass sie das Zeitfenster für den Landeplatz in Miami verpasst hatten und sich nicht leisten konnten, ein neues zu kaufen. Die Ausrede mit dem Wetter ist bequem, weil Wetter = höhere Gewalt ist und damit keine Zahlungsverpflichtung besteht, für Verpflegung, für Hotels, für sonstige Kulanzleistungen, etc. Und es ging einfach den ganzen Tag mit den Lügen weiter.

Und ich bin selbst Schuld. An 3 verschiedenen Orten habe ich 3 verschiedene Leute getroffen, die mir alle gesagt haben, ich soll ja nicht mit VC fliegen! Ich wollte ja nicht hören!

 

Aber ich habe meine Lektion jetzt gelernt: Trotz verlockender Preise: Fliege nie, niemals, unter keinen Umständen mit Viva Colombia. Du wirst nicht ankommen, aber dafür viele Nerven (und Geld) verlieren.

PS: Der Grund, warum ich für den Flug nach Miami keine Bordkarte drucken konnte? Weil es ein internationaler Flug ist. Man kann ja nicht einen Hinweis irgendwo auf der Seite einfügen, um Passagiere darauf hinzuweisen…

 

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