Pulau Pangkor, Malaysia

 

Pangkor ist eine winzige Insel halbwegs mittig zwischen Kuala Lumpur und Penang und nur per Fähre zu erreichen. Der Bus setzt einen an der Busstation in Lumut aus; von dort ist es nur ein dreiminütiger Spaziergang zur Anlegestelle. Ticket kauft man im Ticket Office und sollte dieses, anders als ich, gut aufheben, denn es gilt auch für die Rückfahrt. Hat man es verlegt oder verloren, muss man für die Fähre zurück nochmal zahlen.

 

Wenn ich sage, Pangkor ist winzig, dann meine ich damit, man kann die Insel innerhalb einer Stunde mit dem Roller umrunden. Und den Roller sollte man sich hier auf jeden Fall gönnen, denn es gibt keine anderen Fortbewegungsmittel auf der Insel: kein Bus, und soweit ich informiert bin auch kein Taxi.

 

Ich habe in meinem Hostel eine Spanierin getroffen, mit der ich mir den Roller geteilt habe und wir sind ohne Karte (die braucht man hier nicht) und ohne Plan drauf los gefahren. Wir sind jeder Straßenabzweigung gefolgt, um zu sehen, wohin sie uns führt und haben so den besten und fast komplett verlassenen Strand der Insel gefunden. Die Straße, die zu dem Strand führte, war auf Google Maps gar nicht eingezeichnet. Auf diesem verlassenen Strand, der wohl einst mal zu einem Resort gehört hatte, tummelte sich genau ein weiterer Besucher. Ein Reisender, wie wir, und zufällig auch aus Barcelona, wie meine Reisebegleitung. Die Welt ist klein und Pangkor noch kleiner.

 

Nach ein paar Stunden am Strand, beschlossen wir drei, was Essbares zu finden und sind in ein Dorf auf der anderen Seite der Insel gefahren. Das Dorf besteht aus einem Restaurant und einem Café sowie zahlreichen Straßenständen, die zur Mittagszeit noch geschlossen sind und erst am Abend öffnen. Die Preise im Restaurant waren für malaysische Verhältnisse etwas happig, aber das bringt wohl die Monopolstellung mit sich (18 Ringgit für ein Hauptgericht, umgerechnet 4 EUR). Aber es war lecker und die Lage am Strand entschädigt den hohen Preis. Es ist nett, die Zehen in den Sand bohren zu können während man leckeren Fischeintopf genießt.

 

Von einer anderen Reisenden im Hostel hatte ich den Tipp bekommen, den „Wasserfall“ aufzusuchen. Die Wegbeschreibung war allerdings ziemlich komplex und beinhaltete unter anderem den Satz: „Wenn du die toten Wildschweine auf dem Weg siehst, hast du die falsche Abzweigung genommen.“ Ähmm, ok. Um auf Nummer sicher zu gehen, haben wir den Restaurantbesitzer nochmal nach dem Weg gefragt. Der riet uns aber davon ab, den Wasserfall zu suchen. Er meinte, da sei vor nicht allzu langer Zeit ein Tourist verloren gegangen und hat 2 Stunden durch den Dschungel geirrt. Wir beschlossen dennoch, unser Glück zu versuchen. Wir sind mit den Rollern so weit in den Dschungel reingefahren wie die Vegetation es erlaubte und sind dann weiter zu Fuß durch kniehohes Gras. Und – wer sollte es glauben – die toten Wildschweine waren ein guter Hinweis. Wir hatten die falsche Abzweigung genommen und unsere Nasen bereuten es bitterlich! Nach etwa 30 03_Pangkor (59)Minuten Dschungelmarsch hörten wir Wasser und dann bald auch den Wasserfall. Es ist absolut nicht verkehrt, hier die Anführungszeichen zu verwenden. Der Wasserfall ist nicht viel mehr als ein Rohr, durch das ein Strom durchgeleitet wird und ein paar dünnere Rinnsale fließen die Felsen hinunter. Aber es ging um den Spaß und nicht um die Aussicht. Außerdem war es eine nette Aktivität und eine willkommene Abkühlung an einem extrem heißen Tag.

 

Jeden Abend um 18:30 füttern die Mitarbeiter eines Hotels die einheimischen Nashornvögel mit Bananenstückchen. Zuschauer sind herzlich willkommen und dürfen bei der Fütterung mithelfen. Alles ist kostenlos. Es handelt sich hier nicht um die Fütterung von in Gefangenschaft lebenden Vögeln. Das sind wildlebende Vögel auf der Insel, die zur Fütterungszeit hierher kommen. Es ist ein harmloser Spaß für alle und eine interessante Erfahrung. Die Vögel sind trotz ihrer gewaltigen Schnäbel sehr vorsichtig, wenn sie die Bananenstückchen aus deiner Hand essen. Verletzungen sind nicht zu befürchten. Und sie vollbringen recht eindrucksvolle Flugkunststücke, wenn du ein Stück Banane hochwirfst und sie es aus der Luft fischen.

 

Das Internet auf der Insel ist sehr bescheiden, aber das Buschtelefon funktioniert einwandfrei. Am selben Abend machten wir uns auf die Suche nach einem Stand, der Früchte verkauft. Da wir auf der Hauptstraße der einzigen Stadt auf der Insel keinen entdecken konnten, fragten wir den Verkäufer in einem kleinen Laden, wo man hier denn Obst kaufen könnte. Der erklärte uns den Weg und wir versuchten den Erklärungen so gut wie möglich zu folgen, hatten aber schon an der zweiten Kreuzung keine Ahnung mehr, wohin wir mussten. Da fuhr ein junger Mann auf dem Roller an uns vorbei und deutete die Richtung. An der nächsten Kreuzung deutete uns eine alte Frau auf den richtigen Weg. Es schien, als wussten die Einwohner innerhalb weniger Minuten, dass diese 3 Touristen da Obst suchten.

Gleiches geschah am nächsten Abend in einem kleinen Dorf, als meine Begleitung und ich zu später Stunde ein Restaurant suchten, das immer noch geöffnet war. Jeder Einheimische, den wir trafen, wusste genau, was wir wollten ohne dass wir danach fragen mussten und zeigte uns den Weg. Nette und hilfsbereite Menschen wohin man blickt. Das sorgt für sehr schöne Erinnerungen.

 

Den letzten Tag auf Pangkor versuchten wir die Hängebrücke zu finden, die auf manchen Touri-Karten abgedruckt war, aber wir schlussfolgerten aus unseren erfolglosen Versuchen, dass es diese Brücke wohl nicht mehr gibt. Wer mich eines Besseren belehre03_Pangkor (89)n kann, ist herzlich eingeladen, dies zu tun. Statt einer Hängebrücke entdeckten wir an diesem Tag eine „schwimmende“ Moschee – diese war sehr schön. Und die Überreste einer holländischen Festung sowie einen heiligen Felsen, der allerdings wenig mehr als ein großer Stein im Sand war. Keine Ahnung, was daran so besonders war, dass man ihn heiligsprechen musste.

 

Pangkor ist definitiv nichts für Abenteurer oder Party-Touristen. Es ist eine kleine Insel, wo die Bürgersteige am frühen Abend hochgeklappt werden. Um die Mittagszeit etwas essbares zu finden, ist eine Herausforderung. Die wenigen Essensstände, die es gibt, sind entweder alle in der Stadt angesiedelt oder machen erst abends auf (und machen zu, wenn sie ihr Essen abverkauft haben). Aber es ist hervorragend, um sich zu entspannen, in aller Ruhe am Strand zu liegen, ein Buch zu lesen, und einfach eine ruhige Zeit zu haben. Typisches Inselleben, eben.

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