Straßenkunst in Penang

Straßenkunst in Penang gibt es in 2 Formen. Da wären zum einen die Wandmalereien – das ist die Straßenkunst, die die meisten meinen, wenn sie von Penangs Street Art sprechen. Es gibt aber auch eine ganze Reihe von Wänden, die nicht bemalt sind, sondern an denen Motive aus Schmiedeeisen (wrought iron) montiert sind. Diese werden, warum auch immer, weniger beachtet – sowohl von den Touristen als auch von den Reiseführern. Zumindest war das mein Eindruck.

 

„Wrought Iron“ Street Art

Die „wrought iron“ Street Art erklärt in einer Karikatur-Szene meist, wie eine Straße zu ihrem Namen kam oder welche berühmte Persönlichkeit in diesem Haus/dieser Straße geboren wurde, und ähnliche satirische & historische Fakten und Weisheiten. Zudem ist ein kurzer Erklärungstext (ebenfalls aus Schmiedeeisen) immer Bestandteil der „wrought iron“ Kunstwerke.

Entstanden sind diese Kunstwerke im Zuge einer Ausschreibung, die Penang verschönern sollte – Kunst an öffentlichen Plätzen zu schaffen war das Ziel. So wurden 2009 von einer Künstlergruppe, die die Ausschreibung gewann, zahlreiche Straßenecken verschönert. In und um George Town findet man mehr als 50 dieser Schmiedeeisen-Skulpturen.

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Ein 1867 abgefeuerter Kanonenschuss verursachte an dieser Stelle ein großes Loch. Daher der Name der Straße „cannon street“.

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Ein der bekanntesten Gassen in Penang ist die „Love Lane“. Dieses Kunstwerk erklärt, wie die Straße zu ihrem Namen kam: Man sagt, die reichen Geschäftsleute hielten sich hier ihre Geliebten. Daher der Name.

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Das ist der Ort, an dem der berühmte Schuhdesigner Jimmy Choo seine Lehre startete.

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Diese witzige Darstellung zeigt, warum der Tresen im Pfandhaus meist so hoch ist (aus Sicherheitsgründen).

 

Murals

Vielleicht, weil sie bunter, vielfältiger, zahlreicher, oder vergänglicher sind, ziehen die Wandmalereien jedoch weitaus mehr Aufmerksamkeit auf sich.

Alles fing damit an, dass im Jahre 2012 (also einige Jahre nachdem die Schmiedeisen-Szenen installiert wurden) die Stadtverwaltung von Penang Ernest Zacharevich damit beauftragte, einige Murals (großflächige Wandmalereien) in der Altstadt von George Town zu schaffen. Ein überschaubares Straßenkunst-Projekt. Das wuchs zu etwas Größerem.

 

Exkurs: Penangs Künstler

Ernest Zacharevich ist ein angesehener Künstler aus Littauen. Seine Kunstwerke in George T05_Penang, street art (35)own sind die beliebtesten bei Touristen. An einem guten Tag muss man sich schon mal anstellen, um ein Foto von einem seiner Straßenkunstwerke zu machen. Das liegt teilweise auch daran, dass viele seiner Kunstwerke interaktiv sind; der Betrachter kann sich ins Bild einfügen. Die bekanntesten und beliebtesten Motive und die mit den teilweise längsten Schlangen sind sicherlich:

„Two Children on a Bicycle” und “Children on a Swing”05_Penang, street art (24)

Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer interaktiver Kunst in Penang von E. Zacharevich.

Daneben findet man etliche Malereien im XXL-Format; die sich meistens über eine komplette Hauswand von mehreren Stockwerken erstrecken. Bekannt sind hier vor allem der „Riksha-Fahrer“ und das „Kung-Fu Mädchen“.

Mein Lieblingsmotiv von Zacharevich findet man aber gar nicht in George Town, sondern in dem kleinen Dorf Balik Pulau. „Der Alte Mann“ ist weniger gemalt als in die schwarze Hauswand geritzt worden und hat eine unheimlich intensive Atmosphäre.

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 Julia Volchkova hat zahlreiche meiner Lieblingskunstwerke auf Penang geschaffen. Sie ist 05_Penang, street art (79)hauptsächlich für die XXL-formatigen Wandmalereien bekannt. Aber es finden sich auch kleinere Motive in George Town. Die 05_Penang, street art (4)zwei besten sind „Die Bettlerin“ (war am schwierigsten zu finden, da in einer kleinen Gasse versteckt) und „Der Gondelfahrer“.

Um weitere Kunstwerke von Volchkova zu bestaunen, empfehle ich unbedingt den Besuch von Balik Pulau. Hier findet man weitere XXL-Murals von außerordentlicher Qualität.

Darunter dieses Juwel: 07_Penang mit Mila (64)„Der Netzspinner“.

Ebenso großartig: 05_Penang, street art (132)„Die Kampfsportler“.

Ein weiterer häufig vertretener Künstler in Penang ist Rone. Der Australier ist vor allem für 05_Penang, street art (106)seine Porträts von Frauen bekannt, die manche Zeitungsberichte „Jane Doe“ nennen. Es ist tatsächlich so, dass es oft das Gesicht der selben Frau zu sein scheint. Was es damit auf sich hat, kann ich aber nicht sagen, da ich zu faul war, dies zu recherchieren. In George Town findet man die Porträts unter anderem im Hin Bus Depot (selten auf den Street Art Stadtplänen erwähnt, beherbegt Hin Bus Depot fantastische Kunstwerke unter anderem auch von Zacharevich; der Eintritt ist frei).07_Penang mit Mila (36)

Ein weiteres „Goldstück“ im Hin Bus Depot ist dieses Mural von Zacharevich:

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In den Folgejahren kamen weitere Künstler in die Stadt und verschönerten die teils lapidaren Mauern der Stadt und hauchten der sowieso schon schönen Stadt neuen Atem ein. Es ist inzwischen ein gewohntes Stadtbild, Touristen (mit Kameras bewaffnet) durch die Straßen spazieren zu sehen, den Kopf 05_Penang, street art (60)in die Luft gestreckt, auf der Suche nach dem Motiv, das doch laut Karte angeblich genau hier sein sollte.

Die Kunst ist mittlerweile auch außerhalb des historischen Stadtkern zu finden. Eine Google-Suche führt zu zahlreichen Blogs und Seiten, die nicht nur die vielen Kunstwerke listen und erklären, sondern auch Spazierrouten vorschlagen oder einfach nur die Position der jeweiligen Murals auf der Karte markieren.

 

Penang war allein wegen der Street Art mein Hauptziel in Malaysia. Dass die Künstler so großzügig mit ihrem Talent und ihrer Zeit umgehen, nur um etwas zu schaffen, das andere erfreut ohne dafür finanzielle Gegenleistung zu erhalten, wird nie aufhören, mich zu faszinieren. Und dass Straßenkunst nicht dauerhaft ist, gibt dem Ganzen einen dringlichen, melancholischen Unterton. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Kunstwerke allen Witterungen ausgesetzt sind. Nicht nur Smog, Regen und die hohe Luftfeuchtigkeit machen sie kurzlebig. Fällt der Stuck ab, so fällt mit ihm auch die Kunst Stück für Stück zu Boden. Für Straßenkunst gibt es immerhin (noch) keine Restauratoren. Hin und wieder kommt es vor, dass die Wand einstürzt, das Gebäude abgerissen wird, oder – fast noch schlimmer? – im Zuge von Ausbesserungen wird über das Bild gepflastert oder gestrichen. Straßenkunst ist vergänglich. Das macht aber auch ihren Reiz aus. Auch wenn es deprimierend sein kann, wenn man nach einem langen Spaziergang in gefühlt über 40°C am besagten Ort ankommt, nur um festzustellen, dass die Wand nicht mehr existiert oder neu gestrichen wurde. Ich bedauere zutiefst, dieses wunderschöne Kunstwerk nicht mehr intakt vorgefunden zu haben.

 

our art is dyingOUR ART IS DYING (zu Deutsch: Unsere Kunst stirbt) – wie ironisch

 

Aber der nächste Künstler ist nicht weit und freut sich sicher, über die Gelegenheit, dem Gebäude seinen Stempel aufzudrücken. Und für mich und andere Reisende kann es nur ein Grund mehr sein, alle paar Jahre wiederzukommen.

 

Ein weiteres Kunstwerk von Volchkova:05_Penang, street art (133)
Gabriel Pitchers „Big Mouth“ – eines der meistfotografierten Murals in George Town05_Penang, street art (102)
2 weitere Zacharevich Highlights:05_Penang, street art (60)

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  1. Penang – die Fakten

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