Unterkunft Guanajuato: El Hostalito

In diesem Hostel habe ich insgesamt 6 Nächte verbracht – 3 davon waren super, die anderen 3 nicht so ganz. Das lag an der Hostelleitung.

guanajuato-10Mich hat bei meiner Ankunft eine junge Frau begrüßt, die, wie sich später rausstellte, die Hälfte der Woche in diesem Hostel arbeitet. Ich glaube auch, dass das Hostel ihr gehört. Den Rest der Woche kümmert sich ein junger Mann um das Hostel. Naja, es sollte wohl eher „kümmert sich“ heißen. Die Anführungszeichen sind hier wichtig!

 

Bei meiner Ankunft war alles tiptop sauber. Die Betten waren alle frisch bezogen; man bekam außerdem eine dicke Wolldecke überreicht, zusätzlich zu der dünnen Tagesdecke, sowie ein frisches Handtuch. Ich habe zunächst ein Bett oben zugewiesen bekommen, das ich aber kurze Zeit später in ein bottom bunk, also eines unten, umgetauscht habe. Der Tausch war problemlos möglich; ob er so weise war, bin ich mir immer noch unsicher. Dazu gleich mehr.

Die Tatsache, dass die junge Frau an der Rezeption, die ich für die Besitzerin des Hostels halte, so nett und zuvorkommend ist, hat mich wohlwollen über so manche andere Sachen hinwegschauen lassen. Darunter zum Beispiel auch, dass der Frauenschlafsaal mit seinen 3 Stockbetten einfach gnadenlos überfüllt ist. In dem kleinen Raum blieb einfach kaum noch Platz, um sich normal bewegen zu können. Zum Glück war das in Guanajuato, wo das Klima wesentlich kühler als an den Küsten ist und die Luft trocken und nicht so schwül wie noch in Yucatan. Der nächste Punkt war das Bett selbst. Wie eben erwähnt bevorzuge ich das untere Bett, weil das ständige Leitersteigen mich nervt. Für 1-2 Nächte ist es noch okay, aber wenn ich 6 Nächte in einem Hostel bleibe, dann will ich das nicht. Das Problem bei den Betten des El Hostalito ist, dass sie unglaublich niedrig sind. Aufrecht sitzen auf dem unteren Bett ist nicht möglich. Selbst die kleine Japanerin, die später dazu kam, konnte sich nicht im Bett aufsetzen. Sehr unangenehm!

Nächstes Problem: das Bad. Es gab nur eines für potentiell bis zu 12 Bewohner. Während es zwar sauber und ordentlich war, war der Wasserdruck leider kaum vorhanden. Und obwohl es heißes Wasser gab, musste man ewig auf dieses warten. Wenn es dann kam, hatte man genau 30 Sekunden, bevor es kochend heiß wurde und man es mit kaltem Wasser mischen musste. Sobald man aber den Kaltwasserhahn aufgedreht hat, floss kein heißes mehr. Man hatte also die Wahl zwischen kalt oder kochend-heiß.

Noch viel schlimmer fand ich aber, dass sämtliche Abflüsse in diesem Hostel verstopft waren. Das Wasser in der Dusche floss nicht ab und führte dazu, dass das ganze Zimmer (also auch die Toilette) unter Wasser stand. Gleiches Problem am Waschbecken und in der Spüle in der Küche.

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Das Frühstück war das typische Frühstück, wie man es in den meisten mexikanischen Hostels bekommt: Zwieback mit Marmelade und Kaffee. Nicht mein Fall, weswegen ich mir mein eigenes Frühstück eingekauft habe. Die Küche ist aber, wie im Übrigen das gesamte Hostel, sehr farbenfroh dekoriert und ich habe mich dort relativ wohl gefühlt.

Eines Abends beschlossen wir aber, etwas zu kochen. Wir, das waren Ayumi, die Japanerin, und ich. Nachdem wir schon das gesamte Gemüse geschnippelt hatten und auch sonst alles vorbereitet war, griffen wir zur Pfanne, nur um dann festzustellen, dass wir keine Möglichkeit hatten, den Herd anzumachen. In Mexiko kocht man auf Gasherden. Sofern es kein moderner Gasherd ist, der selbst Funken macht, benötigt man ein Feuerzeug. Wir sind aber beide Nichtraucher und führten keins mit uns. Auch das Hostel hatte keines ausliegen. So blieb uns nichts anderes übrig, als auf die Straße zu gehen und wildfremde Menschen darum zu bitten, dass sie uns doch ihr Feuerzeug ausleihen. Umständlich. Ein Hostel sollte sowas bereitliegen haben.

Mit der Ausstattung der Küche sah es auch recht mager aus. Es ist nicht für alle Gäste Besteck oder Geschirr vorhanden. Zum Glück ist das Frühstück nicht so ansprechend, dass sich alle Gäste gleichzeitig drauf stürzen.

Bis hierhin war ich trotz der paar Unannehmlichkeiten dennoch recht zufrieden mit dem Hostel.

 

Das änderte sich als zum Anfang der Woche der eingangs erwähnte junge Mann die Vertretung übernahm. Er tat nämlich nichts. Und mit nichts meine ich: NICHTS. Das Frühstück kam teilweise erst Stunden verspätet auf den Tisch und blieb bis zum Abend auf dem Tisch stehen. Er machte nicht sauber, leerte keine Mülleimer, putzte nicht, wusch kein Geschirr, etc.

guanajuato-8Am Morgen nach meiner dritten Nacht dort zog er die Betten in unserem Schlafsaal ab. Ich dachte mir nichts dabei, außer, dass es vielleicht so üblich ist in diesem Hostel, dass nach 3 Tagen die Bettwäsche gewechselt wird, auch wenn man noch länger bleibt. Das kannte ich von einigen anderen Hostels schon so. Als aber gegen 22 Uhr immer noch kein frisches Bettzeug auf meinem Bett war und auch sonst niemand vom Hostel erreichbar war, beschloss ich die Sache in die eigenen Hände zu nehmen.

Zu diesem Zeitpunkt war ich der einzige Gast im Frauenschlafsaal, da die meisten Gäste nach dem Wochenende abgereist waren. Zum Glück hatte der Mann den Schrank, in dem Bettwäsche und Handtücher gelagert werden, vergessen, abzuschließen. So konnte ich mir wenigstens saubere Bettwäsche holen und das Bett selbst frisch beziehen.

 

Am nächsten Tag ähnliches Problem mit meinem Handtuch, das er einsammelte, ohne mir ein frisches zu geben. Auch hier wieder hab ich mich am Schrank bedient.

 

Als nach 3 Tagen die Frau wieder zurückkam, hat sie bis tief in die Nacht erstmal alles geputzt und aufgeräumt. Da war es auch schon bitter nötig. Die Küche sah zu diesem Zeitpunkt aus wie Sau. Der Tisch zum Beispiel wurde nicht einmal abgewischt; in der Spüle stapelte sich Geschirr, das im Schmutzwasser schwamm, welches nicht ablaufen konnte. Es war eklig.

 

Und das alles für einen leider viel zu hohen Preis. Im Durchschnitt hat mich die Nacht in diesem Hostel 16 EUR gekostet. Das ist weit mehr als alles, was ich bisher in Mexiko bezahlt habe, lag aber daran, dass in Guanajuato gerade ein Festival stattfindet: das Cervantino. Ein großes Fest, das einen Monat lang gefeiert wird.

 

Was fürs Hostel spricht ist seine Lage. Es befindet sich direkt im historischen Zentrum. Neben der Eingangstür läuft eine Treppe hoch, über die man Zugang zum El Pípila hat – das Monument hoch über der Stadt. In unmittelbarer Nähe hat man zahlreiche Essensstände, eine Bäckerei, mehrere kleine Supermärkte, und ein Dutzend anderer Einkaufsmöglichkeiten.

 

Alles in allem bin ich etwas unglücklich über das Hostel, aber nicht, weil ich mich dort nicht wohl gefühlt habe, sondern weil es für den Preis einfach unangemessen war.

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