Von A nach B in einem fremden Land

Wie kommt man in einem fremden Land von A nach B?

Ich weiß nicht wie „man“ in einem Land vorwärts kommt, ich weiß, wie ich es mache. Nichts geht über Internetrecherche. Ich verbringe recht lange Zeit damit, nach Transportmitteln im Internet zu suchen. Die erste Suche ist bei mir immer „Bus von XXX nach YYY“ und dann schaue ich die google-Ergebnisse durch.

Wenn man Glück hat, gibt es irgendwo einen Forumseintrag, wo jemand schon die gleiche Frage gestellt hat. Ich finde das Forum auf tripadvisor sehr gut, weil die Antworten wirklich sehr hilfreich sind.

Gelegentlich landet man bei der Suche auf offiziellen Seiten der Busunternehmen. Was die Gegenden Mexiko, Mittel- und Südamerika angeht, habe ich gelernt, mit den dortigen Angaben vorsichtig zu sein. Ich glaube, ich habe noch nirgendwo eine offizielle Seite gesehen, deren Angaben zu Reiserouten, Verbindungen, Preisen und/oder Uhrzeiten übereingestimmt haben mit dem, was die Realität auf dem Busbahnhof hergegeben hat.

In der Regel nehme ich das, was ich im Internet herausfinden konnte, nur als grobe Richtlinie. Meistens reicht es aber schon, zu erfahren, wie die Busunternehmen heißen und wo der Busbahnhof bzw. Verkaufskiosk zu finden ist.

 

Ich erläutere mal meinen Prozess am Beispiel Mexiko:

Von Costa Rica aus, wo ich zu diesem Zeitpunkt weilte, startete ich eine Google-Suche, die in etwa so aussah:

„bus from cancun airport into city center” (weil mein Hostel nahe der Stadtmitte lag)

Einer der Treffer ist die offizielle Seite des Cancun Flughafens, die beschreibt, dass man den ADO-Bus ins Stadtzentrum nehmen kann, wenn man kein Taxi nehmen möchte.

Nächster Schritt bei mir ist, ADO zu googlen. So finde ich heraus, dass ADO das Busunternehmen ist, das die Yucatan-Halbinsel gut abdeckt.

Ich lese nach, wo am Flughafen die ADO-Bushaltestellen und die Fahrkartenkioske sind, finde einige Informationen auf der Flughafen-Seite und ein paar weitere auf diversen Blogs, die im Grunde ähnliche Informationen enthalten, was mich zu der Annahme veranlasst, dass das wohl halbwegs aktuell sein dürfte. Und ich erfahre außerdem, dass man das Ticket vorher kaufen soll, nämlich am Kiosk im Flughafengebäude und nicht erst beim Fahrer.

Natürlich weiß man erst dann, wie zuverlässig die Infos sind, wenn man vor Ort ist. So kam es zum Beispiel, dass ich trotz ungewöhnlich guter Wegbeschreibung den Pfad zum ADO-Bus am Flughafen in Cancun nicht sofort gefunden habe. Ich habe an 2 verschiedenen Info-Ständen im Flughafengebäude (beim ersten habe ich auch die Fahrkarte gekauft) und bei einem Security-Angestellten außerhalb des Gebäudes nach dem Weg fragen müssen. Und das ohne Spanisch zu können. Meistens reicht es „bitte“ und „danke“ und „ADO bus?“ sagen zu können und dein Gegenüber wird dir mit Handzeichen die Richtung deuten. Und früher oder später sieht man auch das erste Schild „ADO“.

So kam ich an der Bushaltestelle an und fragte bei einer Angestellten, ob die Haltebucht, die mir im Verkaufskiosk genannt wurde, die richtige ist für Zielort „City Center“. Dann stellte ich mich brav an, weil ich das aus Costa Rica so kannte. Wenn ein Bus vorfährt, der kein Zielort an der Scheibe ausgeschrieben hat, dann frage ich den Fahrer nochmal, um sicher zu sein „Cancun City Center?“ und er wird entweder nicken oder dir auf eine andere Haltebucht zeigen, wo der korrekte Bus hält.

 

Nächste wichtige Frage: Woher weiß ich, wo ich aussteigen soll?

Ich habe, wenn ich Bus fahre, immer parallel ein Navigationsprogramm auf dem Handy auf, auf dem mein Ziel (meist das Hostel) markiert ist. Es gibt 2 Karten-Apps, die ich empfehlen kann: Maps.me und google.maps. Beide haben ihre Vor- und Nachteile. Beide funktionieren OHNE eine Internetverbindung, WENN man sich die Karten bzw. den Kartenbereich vorher (das heißt, wenn man WLAN hat) runtergeladen hat.

 

Maps.me

maps-me_logoBei maps.me funktioniert das so, dass man in die Stadt reinzoomt; ab einem bestimmten Zoomgrad wirst du gefragt, ob du die Karte runterladen willst. Sag ja und der Rest geschieht automatisch. Maps.me hat den Vorteil, dass du nach dem Runterladen der Karte reinzoomen und z.B. alle Namen der Hotels und der meisten Hostels, Restaurants, alle Bushaltestellen, Sehenswürdigkeiten, etc. angezeigt bekommst. So kann man z.B. sein Hostel finden, den Marker auf das Hostel setzen und evtl. auch weitere Sehenswürdigkeiten, die man besuchen möchte und hat diese so immer sichtbar auf der Karte. Nachteil bei maps.me: Ich weiß nie, wo die Karte, die ich runtergeladen habe, aufhört. Deren Karten sind in Bereiche aufgeteilt, die nicht als Umriss dargestellt sind. Und so kann es passieren, dass man von einer Stadt in die nächste plötzlich keine detaillierte, navigationsfähige Karte mehr hat. Außerdem, und das ist viel schlimmer, ist maps.me oft ungenau. Ich hatte es allein in den letzten 2 Monaten oft, dass das Hostel nicht dort war, wo es auf der Karte erscheint. Und außerdem läuft es nicht absolut stabil. Es muss hin und wieder beendet werden oder ich zwinge es zum Stoppen, weil es das GPS-Signal verloren hat und nicht mehr wieder findet.

 

Google.mapsgoogle-maps

In dieser Hinsicht ist google.maps besser. Dort lege ich den herunterzuladenden Kartenausschnitt selbst fest und gebe ihm einen Namen, mit dem ich was anfangen kann. Zudem fällt google.maps weitaus seltener aus und findet in der Regel das GPS-Signal viel schneller als maps.me. Und deren Kartendarstellungen sind auch besser, was ich in Guanajuato feststellen durfte.

Exkurs:

Guanajuato hat ein unterirdisches Tunnelsystem für Autos und überirdische Straßen und Gassen, die nur für Fußgänger passierbar sind. Auf google.maps sind diese beiden unterschiedlichen Straßenarten deutlich voneinander zu unterscheiden dargestellt. Auf maps.me nicht; so steht man dann an einer Ecke und kann nicht weiter, weil sich rausstellt, dass die Straße, die dort angeblich kreuzt, unter der Erde und somit für dich nicht zugänglich ist. Das war unglaublich ärgerlich.

Google.maps benennt keine Gebäude, so findet man, egal wie sehr man reinzoomt, keine Hostelnamen. Ja, es gibt einige Hotels etc., die man angezeigt bekommt, aber bei weitem nicht alle, sondern nur die großen, bekannten. Und falls es diese Funktion doch gibt, habe ich sie noch nicht gefunden und wäre für entsprechende Hinweise sehr dankbar, weil das für mich inzwischen der einzige Punkt ist, der maps.me „brauchbar“ macht. Bei google.maps finde ich mein Ziel über die Adresse.

 

Gehört nicht 100%ig hierher, aber ich will es erwähnt haben:

Wer eine der Apps als traditionelles Navigationssystem beim Autofahren nutzen möchte, sollte die Finger von maps.me lassen. Hier versagt das Programm komplett. Die Audioausgabe ist oft gegenteilig zu dem, was die Karte zeigt; Audio weist nicht auf Weggabelungen hin und warnt schon gar nicht davor, dass eine in kurzer Entfernung kommt; „slight right“ (zu deutsch: leicht rechts halten) wird sowohl für „leicht rechts“ benutzt als auch für „nimm die Ausfahrt auf der rechten Seite“ und ebenso für „rechts abbiegen“. Das ist immens verwirrend. Zudem ist die visuelle Ausgabe zu weit rausgezoomt, so dass man auf dem Bild nicht genau erkennen kann, welche Straße man nehmen muss. Zoomt man rein, korrigiert sich die Anzeige bald wieder auf einen größeren Ausschnitt.

Google.maps ist perfekt für die Navigation. Die Sprachausgabe ist so genau, bis hin zu Hinweisen, welche Spur man nehmen sollte, dass man das Bild dazu fast gar nicht benötigt.

 

Zurück zum Thema:

Ich setze mir auf beiden Karten (google.maps & maps.me) die Marker für meine Ziele (z.B. Hostel) und verfolge die Busroute beim Fahren. Wie gesagt, hat maps.me auch alle Bushaltestellen gelistet. Nachdem man 1-2 angefahren hat, wird die Route des Buses in der Regel ersichtlich und man muss dann nur noch die dem Hostel nächstgelegene Haltestelle finden und warten, bis der Bus sich ihr nähert. Wenn man nicht sicher ist, wie man aussteigt, beobachtet man die Menschen im Bus, wie sie das tun. Manchmal muss man vorher dem Fahrer zurufen. Wenn man die Sprache nicht kann, ist das aber schwierig. In anderen Bussen gibt es eine Klingel, die man vorher betätigen muss, um seinen Haltewunsch anzuzeigen. Ich handhabe das so, dass ich auf die Karte schaue und gut ein paar Hundert Meter (mindestens) vorher aufstehe und mich zur Tür beim Fahrer begebe. So muss man nichts sagen, wenn man die Sprache nicht kennt, und der Fahrer sieht, dass du aussteigen willst.

 

Dann nutzt man die Karten-Apps, um zum Hotel zu laufen oder nimmt ein Taxi. Taxis gibt es immer im Bereich von Bushaltestellen, Bahnhöfen, Flughäfen. Taxifahrer kennen in der Regel auch alle Hostels oder Hotels; meist reicht es also, den Namen des Hostels zu nennen. Wenn ein Taxifahrer das Hostel nicht kennt, kann man es sich sparen, ihm die Adresse zu erklären. Er tut nur so, weil er dich lieber zu einer anderen Unterkunft bringen will, für die er Provision pro vermitteltem Gast bekommt. In diesem Fall warte einfach aufs nächste Taxi. Es wird immer ein nächstes Taxi geben.

 

Im Beispiel Cancun war das so, dass der Bus den ADO-Bahnhof im Zentrum von Cancun anfährt. Somit weiß man also auch, wo man den Bahnhof findet und kann, wenn man da schon weiß, wann man wohin als nächstes will, sich am Schalter nach den Fahrzeiten und Fahrpreisen erkundigen. Wie eingangs erwähnt, die Zeiten am Schalter stimmen selten mit denen auf den offiziellen Seiten überein. Es gilt: der Schalter hat IMMER recht. Die Zeit, die man dir am Schalter nennt ist auch immer die Zeit, um die der Bus fährt und sie ist auch auf dem Fahrticket aufgedruckt. Ich kann nicht für andere Länder sprechen, aber in Mexiko war es teilweise so, dass man Rabatte bekommen hat, wenn man die Fahrkarte vorher gekauft hat und nicht erst am Tag der Reise.

 

So hangelt man sich eben von einem Busbahnhof zum nächsten durch. Auch alle typischen Touristenattraktionen werden von den Busunternehmen angefahren, auch wenn sie außerhalb der Stadt oder zwischen zwei Städten liegen. Immer am Schalter erfragen. Die Leute dort können meist zumindest ein wenig Englisch und selbst wenn nicht, kann man sich mit ein paar wenigen Worten wie „wann“ und „wieviel“ und „wie lange“ ebenso wie den Namen des Zielortes oder der Attraktion verständigen.

 

Wenn man eine längere Strecke fährt und dabei umsteigen muss, empfehle ich, das Anschlussticket nicht vorher zu kaufen. Es kann immer was dazwischen kommen, ein Stau oder ein kaputter Bus, und man verpasst den Anschluss. Dann hat man den Stress, sein Geld zurück zu bekommen oder Ticket umzutauschen. Ich würde immer nur ein Ticket für die erste Teilstrecke kaufen und die Anschluss-Fahrkarte im nächsten Bahnhof.

 

Und so funktioniert es im Grunde. Aus der Ferne wirkt das kompliziert und schwer durchschaubar und Menschen mit einem fanatischen Zwang, alles bis ins Detail vorher zu planen und zu wissen, werden hier oftmals an ihre Grenzen stoßen, aber vor Ort löst sich alles meist in einer logischen Abfolge auf. Und keine Panik, wenn man mal den Bus verpasst oder an der falschen Station ausgestiegen ist oder im falschen Bus sitzt. Es gibt immer einen nächsten Bus, Menschen, die man fragen kann, und zur Not Taxis.

 

Um beim Mexiko-Beispiel zu bleiben:

Als ich auf dem Hauptbahnhof in Guanajuato angekommen bin, wusste ich auch nicht, wohin weiter. Ich hatte im Internet nur gelesen, dass die großen Reisebusse nicht in die Stadt reinfahren können, weil sie zu groß sind und nicht durch die Tunnel passen. Das war alles, was ich an Infos hatte. Gerade Guanajuato hatte sich als äußerst kompliziert in der Recherche herausgestellt, weil scheinbar kein Tourist, der dort war, je darüber geschrieben hat. Ich war also voll darauf fixiert, vom Bahnhof aus ein Taxi zu nehmen. Dann kam ich aus dem Bahnhofsgebäude raus und konnte kein Taxi sehen. In diesem Fall wäre ich einfach losgelaufen oder hätte einen Menschen in einem der Bahnhofskioske gefragt, wo die Taxis sind, aber in diesem Moment kam ein Bus vorgefahren und hatte „Guanajuato City“ drauf stehen. Ich bin eingestiegen ohne zu wissen, welche Route er genau fährt. Ich habe den Fahrer gefragt, ob er ins Stadtzentrum fährt, er sagte ja. Das war mir genug. Wo auch immer man letztendlich landet, man ist zumindest seinem Ziel näher und kann zur Not dort dann das Taxi zum Hostel nehmen.

In meinem Fall bin ich an einer Station raus, die laut maps.me nahe dem Hostel lag und bin losgelaufen. Das war ein Problem, weil, wie weiter oben beschrieben, die Auto-Straßen in maps.me von den Fußgänger-Straßen nicht zu unterscheiden waren und ich so in einer Sackgasse landete. Dann switcht man zu google.maps und findet den Weg. Zur Not fragt man Leute. Die meisten werden die Hostelnamen kennen.

Und falls nicht: Ruhe bewahren. Menschen fragen. Zurück zu einem vorherigen Startpunkt laufen oder zu einem Ort, auf dem sich Menschen tummeln. Sofern man nicht irgendwo in der Sahara allein unterwegs ist und die Orientierung verloren hat, garantiere ich, dass man innerhalb der Zivilisation sein Zielort immer irgendwann findet. Vielleicht mit Umwegen und später als geplant, aber man wird ankommen!

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